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Alles, was du über die Exposition mit Reaktionsverhinderung wissen musst

Die Exposition mit Reaktionsverhinderung (ERP) ist die klinisch erprobte Standardbehandlung bei Zwangsstörungen, Phobien und Angststörungen. Hier findest du alles, was du wissen musst, um loszulegen.

Alles, was du über die Exposition mit Reaktionsverhinderung wissen musst. Mit Quellenangaben.

Was ist die Exposition mit Reaktionsverhinderung?

Die Exposition mit Reaktionsverhinderung, kurz ERP, ist eine Form der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT). Sie umfasst drei Hauptteile:

  1. Psychoedukation: Du lernst etwas über psychische Störungen, warum wir sie haben und wie Behandlungen funktionieren. Du entwickelst einen Plan für deine ERP-Therapie und lernst neue Fähigkeiten und Strategien kennen, die du anwenden kannst.
  2. Exposition: Du erstellst eine Hierarchie, also eine Liste von Expositionsschritten, geordnet vom Einfachsten zum Schwierigsten. Du beginnst mit der einfachsten Exposition, die so simpel sein kann wie das Lesen von Buchstaben und Wörtern, und arbeitest dich langsam die Hierarchie hinauf. Du bestimmst die Reihenfolge und das Tempo der Exposition; dein Therapeut:in wird dich dabei begleiten und dir helfen, Fortschritte zu machen.
  3. Reaktionsverhinderung: Das ist vielleicht der wichtigste Teil: Du wirst es vermeiden, Zwangshandlungen auszuführen, wenn du mit dem Unbehagen deiner Hierarchie der Exposition konfrontiert bist. Dazu gehört auch, Sicherheitsverhalten einzustellen. Beispielsweise wirst du vielleicht gebeten, deine Hände nicht als Ablenkung aneinander zu reiben, oder du wirst gebeten, einen bestimmten Satz in deinem Kopf nicht zu wiederholen, während du die Exposition übst. Indem du dich dafür entscheidest, das Unbehagen auszuhalten, reduzierst du mit der Zeit die Angst.

Hier werden zwei wichtige Missverständnisse ausgeräumt. Erstens wirst du niemals aufgefordert, etwas tatsächlich Gefährliches zu tun. Bei der ERP geht es darum, Ängste anzugehen, die in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr stehen; daher wird zu keinem Zeitpunkt von dir erwartet, dass du deine Angst genießt oder etwas Gefährliches tust – das Ziel ist lediglich, deine Angstreaktion wieder auf ein angemessenes Maß zu bringen. Zweitens ist Exposition nicht dasselbe wie Expositionstherapie. Wenn du dich deiner Angst gestellt hast, aber nicht „besser geworden“ bist, liegt das daran, dass eine einfache Exposition nicht ausreicht. Exposition ist nur ein Teil der ERP. Sie wird erst zur „Therapie“, wenn du Psychoedukation und Reaktionsverhinderung hinzufügst.

Funktioniert das?

Ja. ERP ist klinisch erwiesen wirksam bei der Behandlung von Zwangsstörungen, Phobien und Angststörungen. Studien belegen Erfolge bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen weltweit, von leichten bis zu schweren Fällen. Virtuelles ERP hat sich als genauso wirksam erwiesen wie die persönliche Therapie.

Muss ich (das tun, was du nicht tun willst)?

Viele Menschen fangen gar nicht erst mit ERP an oder ziehen es nicht als Behandlungsoption in Betracht, weil es – nun ja – so ziemlich das Letzte auf der Welt ist, was sie tun wollen. Denk daran: ERP ist ein schrittweiser Prozess, bei dem du deine eigene Hierarchie aufbaust und dich darin vorarbeitest. Vielleicht musst du bestimmte Aufgaben gar nicht erst erledigen, da sich ERP-Fähigkeiten verallgemeinern (das heißt, das Üben von ERP bei einer Phobie kann sogar eine andere lindern), aber wahrscheinlicher ist, dass du feststellst, dass dir diese Sache gar nicht mehr Angst macht, wenn du sie in der Hierarchie erreichst.

Das klingt beängstigend

Bei der ERP geht es darum, Ängsten auf kontrollierte und schrittweise Weise zu begegnen, damit du bereits Übung hast, wenn du ihnen im Leben gegenüberstehst. Frag dich selbst, was beängstigender ist: dein ganzes Leben mit Zwangsstörungen/Phobien/Angstzuständen zu verbringen oder die Exposition mit Reaktionsverhinderung zu praktizieren?

Was ist, wenn ich zu schnell vorangehe?

Deine Therapeut:innen werden dir helfen, das Tempo deiner Exposition anzupassen. Wachstum und damit neue Arten von Unbehagen sind ein Zeichen für Fortschritte in der ERP. Wenn du dich einer neuen Challenge stellst, erlaube dir, das Unbehagen als Teil des Prozesses zu spüren.

Was ist, wenn ich einen Rückschlag erleide?

Es gibt keine Genesung ohne Rückschläge. Akzeptiere dies – ebenso wie das Risiko, möglicherweise zu schnell voranzukommen – als Teil der Genesung und passe dich gemeinsam mit deinen Therapeut:innen bei Bedarf an.

Ich hab’s einmal ausprobiert, aber bei mir hat’s nicht geklappt

Zwangsstörungen und Phobien weisen eine hohe Komorbidität mit Depressionen auf, was zu höheren Abbruchquoten bei der Therapie führt. Es gibt Hinweise darauf, dass mehrere Versuche eher zu einer Linderung führen.

Funktioniert das auch bei Kindern?

ERP hat sich bei Kindern und Jugendlichen als äußerst wirksam erwiesen.

Wie fange ich an?

Finde ein:e Therapeut:in in deiner Nähe, die Erfahrung mit ERP hat.

Quellen

  1. Exposure and Response Prevention in the Treatment of Obsessive-Compulsive Disorder: Current Perspectives
  2. Exposure and Response Prevention Process Predicts Treatment Outcome in Youth with OCD
  3. Online Video Teletherapy Treatment of Obsessive-Compulsive Disorder Using Exposure and Response Prevention: Clinical Outcomes From a Retrospective Longitudinal Observational Study
  4. Exposure and response prevention for obsessive-compulsive disorder: A review and new directions

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